12. Februar // Bora Bora (annulliert)

Man ahnte es schon gestern Abend in Papeete. Am Nachmittag kam starker Wind auf und die Fahrt während der Nacht war wie im Schüttelbecher. Unmöglich also, heute Morgen in der Bucht von Bora Bora ankern zu können, geschweige denn mit kleinen Tenderbooten an Land zu fahren. Zusätzlich fällt teils intensiver Regen. Für Ruth und mich wäre eine Bootsfahrt geplant gewesen an einen Strand zum Baden und Schnorcheln. Bora Bora muss eine wunderschöne Südseeinsel sein; hatte mich sehr darauf gefreut. Nun fahren wir während 3er Seetage in Richtung American Samoa (Pago Pago). Ich erinnere mich an meine Reisebürozeit vor bald 50 Jahren. Es gab in unserem Reisebüro damals pro Jahr, wenn überhaupt, höchstens ein Dossier, wo die Südsee enthalten war. Bei Danzas in Liestal hatte es einen Kunden, er war Lehrer von Beruf. Der hatte in minutiöser Kleinarbeit sein Wissen über die Südsee in Literatur aus Bibliotheken und Zeitschriften in einem grossen Bundesordner gesammelt und buchte eine sechswöchige Südsee-Weltreise während der Sommerschulferien, die – für 2 Personen – gegen CHF 50‘000 kostete. Er kam im Vorfeld während dreier Monate jede Woche mindestens ein Mal vorbei, immer in Begleitung seines grossen Ordners, und begutachtete die neuesten Aktivitäten der Buchungsvorgänge zu seiner Reise. Man muss sich das mal vorstellen und in den Kontext von heute stellen. Als Kommunikationsmittel gab es nämlich lediglich das Telefon, den Telex, den Brief oder das Telegramm. Ich durfte mithelfen, seine Reisepläne zu verwirklichen (Geführt wurde das Dossier natürlich vom Chef (Filialleiter), das war noch nichts für einen Anfänger wie mich). Trotzdem hatte mich das schon damals extrem fasziniert. Umso mehr freute ich mich jetzt auf diesen Abschnitt unserer „round the World Tour“. Vielleicht schaffe ich es doch noch, mindestens ein Mal in der Südsee an einem weissen Strand im Meer baden zu können. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

2 Kommentare zu „12. Februar // Bora Bora (annulliert)

  1. Den Abstecher in die Vergangenheit, ein halbes Jahrhundert! ist es her, habe ich sehr gerne gelesen und hoffe nun, dass dieser damalige Traum bald in Erfüllung gehen darf. Es braucht ja ’nur‘ das passende Wetter dazu……und Geduld. Ich wünsche es dir/euch von Herzen. Ihr habt eine Nacht wie im Schüttelbecher hinter euch ….ich wage es gar nicht, mir das vorzustellen. Jedenfalls wünsche ich euch erheblich ruhigere 3 Tage auf See und freue mich auf die Fortsetzung der Weltreisegeschichte. Es ist fast wie im Leben: Man muss sich immer wieder den Verhältnissen anpassen.

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